Lachsack
Es war Anfang des Jahres 1989,
ich war eingeladen bei einer Freundin die Tierdressuren machte. Ob
es ein runder Geburtstag gewesen war, weiß ich nicht mehr, aber es
waren eine Menge Leute dort. Draußen vor der Tür stand ein Lieferwagen,
in dem ein echter Tiger eingesperrt war. Der schlief aber und schnarchte
allein in seinem Autokäfig. Einen Tierpfleger habe ich nicht gesehen,
vielleicht war das ja der Grund, dass das Vieh satt und zufrieden
einfach so dalag und nichts wahrgenommen hatte, jedenfall mich nicht.
Auf dieser Party war auch ein Clown.
Diesmal aber nicht im Kostüm, sondern als Gast. Mit seinem Sohn hatte
der Mann eine wirkliche Weltnummer, die sich: «Jule und Bubi» nannte.
Die beiden reisten als Ostclowns durch die ganze Welt, ja selbst vor
Charly Chaplin sind sie aufgetreten und Stan Laurel ist in den Sechzigern
bei ihnen zu Gast gewesen, hatte er mir mal erzählt. Das war wirklich
etwas ganz Besonderes. Wir kamen ins Gespräch und erzählten uns unser
Leben. Er wollte sich danach unbedingt anschauen, was ich so mit meinem
kleinen Kindertheater mache. Das hatte er auch getan und sich eine
Vorstellung angeschaut.
Bald danach saß er bei mir zu Hause
und erzählte, was er demnächst vorhatte. Er wollte gemeinsam mit einem
Partner ein mobiles Kabarett gründen und damit durch die DDR ziehen.
Das ganze Projekt sollte natürlich, rein äußerlich, auch Zirkuscharakter
haben, hatte es später dann auch. Nur das Showzelt war ein anderes.
Es war kein Chapiteau, wie wir es alle von den Zirkussen kennen, nein
es war so eine Art Bierzelt mit Bühne und Sitzreihen, die nach hinten
anstiegen, um bessere Sicht zu haben. Für dieses Projekt wurden Pantomimen,
Artisten, Tänzerinnen und Kabarettisten engagiert. Ob ich mir so etwas
vorstellen könnte, war seine Frage.
Nun, alles, was neu ist, weckt mein
Interesse. Er machte mir ein Angebot, das folgendermaßen lautete:
Ich sollte Bestandteil des Teams sein, beim Auf- und Abbau helfen,
die Musikregie machen, als Eulenspiegel im Kostüm auftreten (Hilfe!),
einen Conférencier und einen Zauberer spielen und eine Kabarettnummer
aufführen. Der Tourneebetrieb sollte im März 1989 starten und Ende
Oktober 1989 wieder zu Ende sein. Das bedeutete für mich: Einstellung
aller sonstigen Aktivitäten!
Was später daraus wurde, kann man sich
hier bei dieser kleinen Sequenz anschauen. Um es kurz zu machen: Es
war der größte Erfolg in meinem Leben. (bisher)
Viele Geschichten umrahmten dieses
Jahr 1989. Ich muss dringend ein Buch, oder wenigstens eine Erzählung
darüber schreiben.