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Geschriebenes
Hier ein
kleiner Ausschnitt.
Viel Spaß beim Lesen.
Bitte daran denken:
Die Rechte an allen hier stehenden Texten
liegen beim Urheber.
Überlegen Sie sich gut,
was Sie damit anfangen.
© poeticlabel 2011
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Zu laut?
Aus Glockenschlägen Worte schmieden,
sodass sie laut sie sind,
weit bis in den letzten Winkel hallen,
mit Hämmern die von starker Hand geführt,
die dann beim Wässern sich zu festen Fäusten ballen;
ist Sinn und Tat verwegener Gesellen,
die sich nicht scheuen,
die so oft verschmähte Hand zu spreizen,
die auf den Pfaden alter Künste schreiten
und ihre schwarzen Fingerkuppen tief ins Blut der Wunden tauchen,
um dann den Aufschrei jener Lust zu hören,
die Absicht war, und aus des Lebens Spiegel kotzt.
T.W. 12|2011
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So kleine Hände
Ein Knoten zerfällt,
am Ende der Welt
dröhnt klappernd ein Diesel,
der Kutter legt ab.
Hat alles an Bord,
Gedanken, kein Wort,
sie spielen Verstecken,
in silbernen Decken.
Zwei Augen am Kai,
ganz leis - dieser Schrei.
Ein Mund, kleine Hände
ein salziger Kuss
gepustet zu Opa,
zurückkommen muss
er schnell, ja, zum Essen,
hat's Frühstück vergessen!
T.W. 11|2011
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Herbstliches
Ein Ohr, ein Handy
Zwei Lippen und ein Schweigen
Halbwaisenworte
T.W. 11|2011
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Momente
Vor einem Fenster sagte einer, dass es
besser wäre, nicht heraus, sondern hinein zu schauen, ja, das sagte
er und sie, breitgelegt am Fensterstrand, nickte abwesend und starrte
ihn an. Mit dem Rücken zur Welt stand er und schaute an ihr vorbei
in ihr Leben. Ein Papagei, an der Decke aufgehangen, schielte von
seiner Stange aus dem Käfig heraus auf ihren Hintern. Neid! Die
Wände; mit Bildern beworfen, Südseefotos und andere Sehnsüchte.
Ein Radio verbrach Popmusik, ihr Kopf wippte im Rhythmus und aus
den verschränkten Armen, in denen sie lag, quoll ihr Körper, sprang
ihn an. Dass er doch den Blickwinkel ändern solle, einmal, bat sie
und gab mit einer Kopfbewegung zu verstehen, wo sich die Haustür
befände. Es quoll noch mehr. Zögern. Dann rumorte es hinter ihr.
Die Zimmertore flogen auf und eine Glatze, fett und unansehnlich,
stürmte am Papagei vorbei Richtung Radio. Aus dem anderen Tor; ein
Kind. Es stieß den Käfig und der Vogel wurde lebendiger. "Zu spät",
wimmerte sie und schloss das Fenster.
Vorhang, der Strand verwaist, keine Südsee, keine Welt, keine Sehnsüchte.
Und draußen murmelte einer, dass es wohl besser gewesen wäre, nicht
hinein, sondern herausgeschaut zu haben. Beim Gehen hörte er einen
Papagei winseln oder irgendetwas anderes.
T.W. 09|2011
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Ein letzter Fall
Als Haffner aus dem Zug sprang und ihm
seine Reisetasche durch den überstürzten Schwung fast aus der Hand
gerissen wurde, war es schon spät am Abend. Der Zug war ziemlich
leer gewesen, das war er mittwochs immer. Erwartet wurde er nicht,
wurde er nie. Seine Reisen endeten immer in irgendwelchen Städten,
in irgendwelchen Hotelzimmern, in irgendwelchen Ländern. Für Bekanntschaften
war keine Zeit, für Nähe sowieso nicht.
Diesmal war's Hamburg und der Prozess am nächsten Tag. Illegaler
Waffenhandel, das galt es als Tatbestand zu verteidigen und sein
Geldgeber kam aus Rumänien. Als vom Boulevard gepriesener Staranwalt
hastete er durch die Zeit und vertrat alles und jeden, ganz gleich
ob schuldig oder unschuldig, das spielte in seinem Job keine Rolle.
Das «Continental» war nicht weit entfernt,
er ging zu Fuß und nach dem Check-in fuhr er per Taxi ins «Rossi».
Man kannte sich und sein 'White Russian' war schneller an seinem
Platz, als er es schaffte, ein wenig runter zu touren. «Schön, dass
Sie da sind», heuchelte der Kellner, als er das Glas abstellte und
zurück an den Tresen durch die leeren Tische ging. An Wochenenden
war in der Bar immer die Hölle los, an normalen Werktagen aber war
sie so schlecht besucht, dass man auf die Security verzichtete.
Erst einmal hatte Haffner bisher eine solche Stille dort erlebt.
Es würde eine ruhige Stunde werden, ohne Prügelei und ohne Bullen.
«Scheiß Job, trotzdem», dachte er und las sich per iPad in den Fall
ein. Es ging um ein paar «Browning Herstal FN 150», 25 Stück, die
bei Noel Konstantinescu im Auto aufgespürt worden waren. Gefunden
wurden sie bei einer Routinekontrolle, beim Durchwühlen des Kofferraumes
nach Drogen. Im Kiez macht man das ständig, besonders bei S-Klassen.
Was für ein Idiot.
Der zweite 'White Russian' kam und das
Handy klingelte. Der Rumäne! Ein paar Worte fielen und schon war
das Gespräch wieder beendet. Haffner ging alles noch einmal durch:
Vorstrafenregister, Kontakte, Geschäftsfelder, Namen und die Vergangenheit.
Ein Mistkerl. Der Bote kam, ging schnurstracks mit nur einem winzigen
Seitenblick in die Toilette, tauchte nach nur 30 Sekunden wieder
auf und verließ den Laden. Das Geld lag dann wie abgesprochen in
Kabine 2, direkt oben auf der Ablage in der hintersten der Papierrollen.
Zurück an seinem Platz kam der dritte 'White Russian', Haffner winkte
ab, zahlte und ging.
Die beiden Nutten, die er noch beim Rausgehen
per Telefon bestellt hatte, standen schon am Hoteleingang. Geschlafen
hatte er im Zug, war wach, konzentriert und brachte die Angelegenheit
professionell hinter sich. Früh um 4, die Damen hatten ihn längst
verlassen, schlief er endlich ein.
Prozessbeginn war um 10, Haffner hundemüde
und der Richter leichenblass, nachdem er sich das Filmchen auf dem
Handy angeschaut hatte. Hamburgs härtester Richter in einem anzüglichen
Video, in dem er seinen Spaß mit zwei Huren hatte. Die Mädels vom
Vorabend waren ihr Geld wert gewesen. Der Prozess war in nur 1,5
Stunden beendet. Das Urteil: Sechs Monate auf Bewährung, wie abgesprochen.
Die Hassaugen des Anklägers hatte Haffner nicht bemerkt.
Um zwei ging der Zug nach Amsterdam und
Haffner las sich unterwegs in seinen neuen Fall ein. Abends um 8
kam die Bahn in Holland an, aber Haffner fehlte.
Dass ein Richter so weit gehen würde, hätte er niemals für möglich
gehalten. Ausführender Arm an der Abteiltür war ein Rumäne gewesen.
Sie kannten sich flüchtig. «Dein letzter Fall», rief er ihm noch
zu, als er ihn aus dem Zug stieß.
T.W. 04|2011
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Abschied
Ich
hab sie alle schon gesagt, die Worte die das große DU beschreiben,
alle. Hinzuzufügen ist nichts, nicht jetzt, noch nicht. Lass Zeit
vergehen, lass uns schauen, was wird. Komm, mach die Augen klein,
mach doch nicht so große Augen, du. Da kann man reinstürzen weißt
du noch? Sag was, hör auf zu denken, gib deinen Gedanken Töne, ich
hör sie doch so gern, hast du das vergessen?
Wie der Abspann eines großen Films sehe ich die Buchstaben
auf der Leinwand deiner Augen. Nach oben hasten sie und sind nicht
festzuhalten, einzuholen. Gedachte Laufschrift und alles nur für
uns, gedreht in Berlin. Könnte ich sprechen, jetzt sprechen, würd
ich alles Sagen, alles. Aber ich kann's nicht, nicht jetzt. Noch
nicht.
Endlich, der Vorhang schließt sich und weiches Licht
schiebt sich über unseren Planeten, der größer wird, immer größer
und weiter. Die Geräusche kehren zurück, ganz langsam, man kann
alles wieder hören, auch deine Schritte, die leiser werden, immer
leiser. Deine Welt hat dich wieder und meine, da unten, wo der Schaum
der Wellen den Fuß des Steilhangs küsst, wartet schon auf mich.
Ich komme.
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Kastanien
Der Georg hatte die Viola begattet,
das ganze Dorf tuschelte. An der Kirmes solls gewesen sein, hinterm
Festzelt unter der alten Kastanie. Der dicke Rohloff, der mit seinem
besoffenen Kopp draußen herum wankte, wollte es gesehen haben. Als
er wieder zurück am Tresen war, posaunte er die Geschichte überall
im Zelt herum. Sofort lief der komplette Saufklub ins Freie um die
beiden anzufeuern, aber sie waren bereits verschwunden. Zweifel
kamen auf. Aber Rohloff, dem man anfangs gar keinen Glauben schenken
wollte, hatte alles so detailliert beschrieben, dass alle Bedenken,
bezüglich seiner Fantasie, bald wie weggeblasen waren. Innerhalb
von ein paar Minuten war der Vorfall von draußen, unterm Baum, das
Hauptthema an jedem der Tische.
Violas Mann, sie waren schon seit
vier Jahren verheiratet, war Fotograf und bereiste gerade den Orient,
das kam oft vor und seine Frau war meistens allein. Georg hatte
ihr die Heizung im Haus repariert und dabei, so mutmaßte man, waren
sie sich wohl näher gekommen. Georg selbst hatte auch eine Frau,
Hannelore, die saß im Finanzamt und bearbeitete die Steuerklärungen
der Einwohner der ganzen Gegend. Jeder hatte zu ihr ein ausgesprochen
gutes Verhältnis. Klar.
Am Herbstfest war sie aber nicht
dabei, sie war auf Betriebsausflug. Ihr Chef war fünfzig geworden
und hatte auf seine Kosten, alle Mitarbeiter zu einem Wochenendtrip
nach Ibiza eingeladen. So war also an allen Fronten freie Bahn.
Schadenfreude stand in den Gesichtern der Tratschtanten des Dorfes.
Alle hetzten über die Beiden, die es draußen, laut Rohloff, unterm
Baum getrieben haben sollten. Er erzählte, dass Viola im Gras kniete
und Georg an ihr rumgefummelt hatte. Im Festzelt wurde eifrig weitergedichtet.
Der Alkohol beflügelte die Fantasien. Schon am nächsten Tag, bei
der Behrend in der Verkaufstelle, erzählte man sich, dass die Viola
ja schwanger sei und die Beiden schon lange ein Verhältnis hatten
und man sie oft genug beim Sex im Auto und an den Wegen, um ihr
Dorf herum erwischt, hatte. Ja sogar die angeblichen Sexualpraktiken
der beiden wurden ausführlich bei der Behrend besprochen und manches
Mal konnte man sehnsüchtige Blicke in den Augen der Diskutanten
erahnen. Alles wartete nun gespannt auf die Rückkehr der betrogenen
Ehepartner. Das sollte auch gar nicht mehr so lange dauern. Am Dienstag
waren beide wieder da und die Nachbarschaft lag mucksmäuschenstill
auf der Lauer und wartete darauf, dass bei Georg die Fetzen fliegen
würden, seine Sachen aus dem Fenster segeln und ein riesen Tamtam
gemacht werden würde.
Auch bei Viola war man gespannt.
Doch so, wie es sich alle wünschten, kam es nicht. Violas Mann,
der Fotograf, verließ nach ein paar Stunden mit einigen Koffern
das Haus und Georgs Frau, die Hannelore aus dem Finanzamt, ebenfalls.
Sonst nichts, ganz leise ging das vonstatten. Keine zerbrochenen
Scheiben, kein umherfliegendes Geschirr. Nichts! Der Ort gierte
nach weiteren Informationen.
Doch erst eine Woche später hörte
man, wie es wirklich gewesen war. Violas Mann hatte sich im Iran
eine Freundin angelacht, es prompt zu Hause erzählt und war einfach
ausgezogen. Bei Georgs Frau, der Hannelore, war es ähnlich, sie
war der Liebe zum Opfer gefallen. «Disco-Bernie» auf Ibiza war ihr
näher gekommen. Sie ist sofort, gleich an dem Tag, als sie ihrem
Mann die Geschichte gebeichtet hatte, zurück auf die Insel geflogen.
Seit diesem Tag, kehrte wieder Gewissenhaftigkeit beim Ausfüllen
der Steuererklärungen ein.
Viola und Georg aber kamen niemals
zusammen. Sie hatten sich an jenem Abend unter dem Kastanienbaum
nur zufällig getroffen. Viola sammelte für ihren Mann nur ein paar
Kastanien, denn er hatte sie darum gebeten, er brauchte sie für
irgendein Motiv. Georg glaubte damals, als er sie im Gras hocken
sah, dass ihr etwas passiert wäre, er wollte nur helfen. Als er
zu ihr hinrannte, war er auf einer Kastanie ausgerutscht und hatte
sich die Nase blutig geschlagen. Viola hatte ihm nur mit ihrem Taschentuch
das Blut aus dem Gesicht gewischt.
Ein Jahr später waren Kommunalwahlen
und der dicke Rohloff wurde zum Bürgermeister gewählt, weil er sich
eben in allen Belangen der Dorfgemeinschaft so gut auskannte. Hätte
er nur zwei Kreuzchen mehr auf seinem Wahlzettel gehabt, ja, dann
hätte er hundert Prozent aller Stimmen des Dorfes erhalten.
© Tom Walter 09|2010
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Party (Terza Rima)
Zum Fest kam Paul. Er ging wie meist
zu spät.
Am Tag danach fand man ihn tot im Hof.
So geht’s, wenn man in Glätte rein gerät.
Sein Gang, sein Schritt war falsch
und schlecht gesetzt,
mag gar nicht daran denken, wie es war,
ja ja, so wird man fliegend schnell verletzt.
Bei ihm, ich sags mit keinem Unterton,
wars so, dass man ihn fand in einem Spalt.
Kopfüber steckte er. Ihr wisst es schon?
Ich meine, dass er tot ist, und so
fort?
Ihr denkt wir haben ihn zu früh verscheucht?
Dann kommt mal her und schaut euch um vor Ort.
Noch immer schleichen Bullen hier
umher,
man glaubt er hätte wohl sein Glück verspielt,
der Schnaps in seinen Beinen legt‘ ihn quer.
Ich weiß noch, als er ging war er zu blau,
auch wir - und nicht vom Wein und Schnaps allein,
er schrie noch: „Man, ich will jetzt eine Frau!“
Auch Bier und Kognak passten bei ihm rein!
Bald wurd er scharf und dachte nur an eins;
der ganzen Welt wollt er der Vater sein.
Im Hof, den der Vermieter Rasen nennt,
fühlt‘ er sich von dem feuchten Duft betört,
das sagt der Dieter, der den Kerl gut kennt.
Nur so kann es gewesen sein. Man hört
er wär beim Schiffen voll da rein gekracht
und wer ihn sah, den hat es nicht gestört.
Er steckte mit dem besten Stück im Gras,
das sagt die Meier und die sah es wohl,
im Rasen neben Blumenkohl. Kein Spaß!
Beim nächsten Fest, es war uns allen
flau,
ging jeder heulend an den feuchten Ort.
In Andacht, doch zum Beten viel zu blau.
Es rekelte die Meier sich im Gras
und jeder schlug sich Kreuze vor die Brust,
ich glaube niemand gönnte ihr den Spaß.
Den Paul? Den schmiss man angewidert
weg
und grub ihn mit dem Mast nach unten ein.
Ein Schwein? Ach wo. Doch nur ein Mann, oh Schreck.
© Tom
Walter 12|2010
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Der Kuss der Krähe
Wie eine schwarze Krähe schob sich ein
Gewitter vor die Sonne. Aus der Ferne hörte man es schon husten.
Ein wenig Wind kam auf, räusperte sich, ruckelte an den Zweigen
der Büsche im Vorgarten und weckte ein paar vertrocknete Blätter,
die auf dem Weg lagen. Sie tänzelten durch den Garten und klebten
dann, wie festgenagelt in der Hecke, die das Grundstück umsäumte.
Der erste Tropfen, schwer und warm, fiel mir direkt vor die Füße.
Er hatte meine Wange gestreift, so wie es wenige Augenblicke später
der Rest seiner Familie auch tat. Nichts konnte ich mehr, gar nichts.
Ich war wie in Trance, wie in die Erde geschraubt stand ich mit
weiten Armen, den Kopf im Nacken, mit dem Gesicht zum Himmel, in
einem, ach schon so lange herbeigesehnten Gewitter. Himmlische Leuchtraketen
schlugen ein, in der Ferne und ganz in meiner Nähe auch. Ich zählte
die Sekunden zwischen Blitz und Donner, Donner und Blitz, bis wir
eins waren, der Regen, das Gewitter, die Welt und ich. Luisa war
gegangen und dort, wo sie hinwollte, war sie niemals angekommen.
Auch sie hatte sich ein Gewitter so sehr gewünscht. Es muss es gehört,
ihr den Wunsch erfüllt und sich in sie verliebt haben. In jener
Nacht war ihre Hochzeit und die schwarze Krähe war ihre Brautjungfer.
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Unvergessen
Des Waldes Mühe, sich im Grün versteckt
zu baden
ist fast vergebens, denn die Zeit ist reif,
der Tagesanfang wächst aus einem Schweif,
und wenn sie flieh'n, zersonnt, die feuchten Nebelschwaden,
steh'n Bäume nackt, geschält, aschfahl
das Untenrum nicht aussichtslos, noch kahl.
Sie hatten keine Wahl, dem Teppich stehn
die Farben,
bedeckt das Bett, das einst für mich gemacht,
dass Kälte käme, nie von dir bedacht,
auf diesem Moos, da hattest du mich eingeladen,
um mir zu kommen, untern Rock,
ich hab die Narben noch von deinem Stock.
Noch immer spüre ich, mich fröstelt's,
wenn ich's sehe,
ja hör nur, wie es dröhnt auf deinem Bauch
und spürst du, wie der Absatz dreht, ja auch,
wie er sich bohrt in dich - wie du in mich, oh wehe-
kein Kind seitdem spielt hier im Gras,
was sagtest du noch gleich: «... nur Spaß?»
© Tom Walter
10|2010
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Carlo
In seiner kleinen Welt aus Holz zieht
Carlo seine Fäden,
was oben denkt, folgt unten seinem Spiel und glänzt im Spot,
es ist sein letztes Mal, bald siebzig ist er, fast schon tot,
er spielt sich selbst an diesem Tag, die Bühne war sein Leben.
Noch ruht im Stück Versatz, für seinen Gast, es ist die Eine,
die Schönste, die noch nie gespielt, seit fünfzig Jahren nun,
als Ebenbild geschnitzt, bemalt, wie's nur Verliebte tun
und unten im Parkett denkt jemand: "Siehst du wie ich weine?"
Sie ahnt was kommt, sein Zittern
ließ den Bühnenvorhang wehen
wie ein Tattoo hat sich ein Antlitz blitzend eingeschweißt
und Filme in Schwarz-weiß zerrollen, bleiben lächelnd stehen,
schon tritt sie auf, ein leichter
Wind und ihre Haare wehen
und Carlo betet, dass der Faden nicht noch einmal reißt,
doch half es nichts, auf viele Fäden fiel das Kreuz beim Gehen.
© Tom Walter 07|2010
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Lapidatio
Doli schrie auf,
der Erste traf sie schwer am Kopf
und roter Regen,
aufgesaugt in vierzehn Jahren,
begießt Cacao.
Zu fremden Füßen lag sie,
kein Gesicht, nur Staub und grau;
und rot benässt,
ein jeder Tritt im Schrei gezählt - bis zehn,
so viel wie einst Geschwister waren,
doch alles trat und stieß und niemand,
keiner wollte gehn.
Und still,
so still zerfloss am Haken festgeschmiedet,
schon lange blind, fast taub,
zum elften Mal ein Geist,
zerschrie sich leis ein altes Herz,
zerschellte blutrot auch an eben diesen Füßen,
die grad zertraten ihres Lebens letzten Sinn.
Als dann der Kreis sich stumm zerheuchelt,
malt sie ein Herz aus Rot auf Braun,
ein Kind wirft treffend noch den letzten Stein,
als Zwölfte wurd auch sie gemeuchelt.
© Tom Walter 07|2010
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Ans Meer
Nichts kann ich mehr,
noch weniger als Moos von diesen Zeiten schaufeln,
um Stück um Stück im Spiegel,
der die Gegenrichtung zeigt,
zu orten was ein Leben taugt.
Komm fahr mit mir ans Meer,
du Ich aus einer and'ren Zeit,
wo's galt, sie schludrig zu verschwenden.
Wer weiß schon, wo wir alle waren,
wer weiß schon, wo wir alle enden.
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Die
Rose
Ich gab sie dir am allerersten Tag,
sie war die Schönste die man finden konnte
ich seh sie grad, wie sie dort stand, sich sonnte
und pflückte sie für dich,
weils mir am Herzen lag.
Ich dachte mich, als ich dich schweigend trug
in jene Zeit, auch weiß ich um den Ort,
der frühe Sommer war's, ich gab mein Wort
und hielt es stets, ach ja -
wir kriegten nie genug.
Für sie war dieses Buch, um das Moment,
dass uns die Zeiten damals stehen ließ,
zu fesseln, so als glückliches Verlies,
es hat sie aufbewahrt,
wird Zeit, dass sich's bekennt.
Nun halt ichs hier, es liegt auf meinem Schoß,
bedeckt vom Staub der letzten vierzig Jahre,
fast fürchte ich das Innere, das Wahre,
den Weg noch mal zu geh'n,
ein kleiner Schritt - so groß.
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Miasmen
"Nun komm schon", rief die Welt
und irre Worteklänge folgten.
"Was bahnt sich hier den Weg,
vorbei an allem, was wir je verzollten,
Tribut entrichten für ein Sein
zum Schein, dass man erblindet?"
"Nun komm schon", rief die Welt.
"Ein Prost, dass man sich findet!"
Und Klagelieder weiteten die Weiten,
vorbei am Glück, das auf der Seite log,
ein schwarzer Fluss macht sich vergnügt gefährlich,
aus Fiebertänzen blutet Lust.
Ganz ehrlich!
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Feuerwehrhauptmannhymne
Der Lucius Domitius war ganz entbrannt um Rom
und auch Oktavia die Holde -
man(n) kannte dieses Luder schon -,
wusst ganz genau um ihres Gatten (heiße) Schwäche,
das wusste die *Poppea auch und weinte - bitter Bäche.
Nun trug's sich zu, dass Erstgenannter,
- inzwischen hieß er: "Nero",
der Zweiten bald den Vorzug gab, für "Okti" hieß das: "Zero".
Doch ging das Spiel sehr blutig weiter,
Britannicus entschwebte,
doch nicht allein,
- allein ist doof -
auch's Mütterchen entlebte.
Dann wurd's ihm heiß und aus dem Circus,
schrie es bald und hallte
sein Singen, Klagen über Troja,
- erzählt er was vom Pferd? -
erschallte.
Nun ist der Kram (so circa n.C. 36) ne ganze Weile her,
ich glaube heut, in dieser Zeit, erinnert man nichts mehr.
Nur meine süße Römerin, am Capitol zu Haus,
die hält es einfach, ohne Feuer,
hier bei mir nicht aus.
Ach gäbe es Tacitus noch,
der könnte drüber schreiben,
der blöde Nero und auch Rom,
kann mir gestohlen bleiben.
*geiler Name für ne Geliebtete …
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Besuch
Sie schlafen schön und Weiß hält sie
verborgen,
kein' Kummer kümmerts, dass dies nun so bleibt,
der Bund mit ihm, dem ewig Stillen, schweigt,
wenns heimwärts geht, erblindet uns das Morgen.
Hab acht, in allen späten Zeitenwenden,
mein Regen rinnt und spült mich endlos fort,
gefaltet, reisefertig, fast verdorrt, nichts bleibt von einst,
zerspürt in kalten Händen.
Wenn Stille höhnt, bebildert's mich zugrunde ,
von Säulenwänden rinnt zu laut mein Schritt,
noch bleibt er mir, der Duft der letzten Stunde,
falls Frühling kommt, dann seid ihr bald zu dritt.
© Tom Walter 01|2010
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Zuviel?
Hast du gefehlt?
"Zu oft, fast immer"
Und hast du etwas gelernt?
"Zu viel!"
Aber zu viel kann man doch nicht lernen!
"Doch, zu viel bremst den Blick auf das Wesentliche"
Was ist wesentlich?
"Du bist Wesentlich!"
© Tom Walter 01|2010
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Verweht
Die nackte Wahrheit schlief danach
im Sand. Eine Welle versuchte ihr die Füße zu küssen. Der Wind in
den Tüchern vollendete die Einblicke. Noch war kein Herbst.
Sechsunddreißig Stufen waren's von den Dünen, jeder Schritt
zählte doppelt. Gedacht war genug, getan - wenig.
Später dann; vier Monde, einer in jedem Auge. Noch später nur zwei
und einer im Rücken, manchmal, wechselnd. Der Abschlag um zehn,
beim Anstoß noch Nacht.
Dann Sonne, Bauchsonne. Gezeiten. Ein Fuß küsste zurück, nur ein
einziges Mal. Sie schlief nicht mehr, die Wahrheit. Und nackt; nur
die Augen, vierfach. Die Lüge ging und sie zählte Schritte. Sechsunddreißig.
Einfach.
© Tom Walter 01|2010
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Weißer Rauch
Es geht ein Fluss da unten, da wo die Sonne niemals war und ich.
Der Berg mit seinem großen Schlund frisst sie gerade. Nur ein wenig
Rot schwabbt noch in die Wolken. Ein Schrei? Man hört nichts. Gar
nichts. Der letzte Vogel sucht sich wimmernd seinen Ort für die
Nacht und ein leichter Wind bricht sich in den Ohren. Sonst - Stille.
Von idyllisch kann keine Rede sein. Vier Wände, ein Dach, ein Stuhl,
die Feuerstelle und etwas, was aussieht wie ein Bett. Holz ist genug
da, Kälte auch. Der erste Qualm vertanzt sich Richtung Rot. Dann
nichts mehr, nur ein Flimmern aus dem Schornstein. Trockenes Holz.
Das ging schnell.
Das Mitzählen macht Spaß, beim Blick runter auf die andere Seite
und das erste Licht, da unten im Dorf, beleuchtet nun Wegners Gehöft,
dann Mitisch, Reini, Westphal, Meyer … Man kann nicht mehr mitzählen.
Es geht zu schnell. Wie ein geschmückter Weihnachtsbaum liegt der
Ort im Tal, verziert, leuchtend, wärmend. Sein Geäst verschwindet
immer mehr, es wird dunkler.
Irgendwas trägt zwei Kerzen durch die noch junge Nacht und kommt
näher, schnaufend, qualmend und den Wald durchbohrend.
Auf der nördlichen Seite des Dorfes verschwinden zwei Lichter im
Höllentempo. Später hörte man; Er zog zurück zu seiner Mutter.
Die beiden Kerzen beleuchten nun das ganze Haus, aber nur für Sekunden.
Dann ist Wärme und von Zeit zu Zeit zieht weißer Rauch aus dem Schornstein,
wie in Rom. Wir haben uns gewählt.
© Tom Walter 01| 2010
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Sommerkreise
Warum ist nur wo's schön ist,
immer irgendwie woanders?
Es dreh'n die Räder sich
und tragen den, der mit will,
von hier fort
Es dreht die Welt sich um sich selbst,
Gedanken sich im Kreis,
es dreht die Mühle ihre Flügel
und ein Rad zum großen Preis,
all die Dinge die auf Reisen,
schwirren eilig durch die Welt,
alles dreht sich, wird nie müde,
hat mir die Sonnenuhr erzählt
Alles dreht sich, dreht im Kreis
seine Runden, niemand weiß,
kennt der Wege wahres Ziel
A alles dreht sich, treibt durchs Land,
wird umrundet jede Wand,
mir ist alles viel zu viel,
hab viel zu viel Gefühl
Man hat den Sommer kurz gesehen,
er macht wohl Urlaub im November,
denn der Juli findet ohne ihn,
in diesen Tagen statt,
nur die Kreise in den Feldern sind's,
die uns noch an ihn erinnern
a Alte Hitze in Strassen,
launisch aufgestaut im Herzen jeder Stadt
Warum ist nur wo's schön ist,
immer irgendwie woanders,
lass Illusionen wo sie sind,
wenn du sie fängst - ist jeder schöne Traum vorbei
© Tom Walter 2008
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Symphonia
Der Klang aus diesem Holz erinnert
an Italien
und auf dem höchsten Ton vermischen sich die Zeiten,
die Jahre, die durch Töne gleiten,
in Händen, die die Welten weiten,
verbinden sich im Spiel,
wie Initialen.
Auf Lüstern hoch an Decken, die den
Zeiten trotzten,
das pure Gold - hält sich bedeckt, im Staub vergessen,
hat grad ein Vögelchen gesessen,
sich an den Piccolos gemessen,
doch blieb's fast unbemerkt,
die Bläser protzten.
Und Schönes schläft bewegt, auch
auf den besten Plätzen,
als zweite Geige, oben auf den Galerien,
wo jeder dritte Frack gelieh'n,
da wacht das Volk und hat verzieh'n,
dass man sie fernhielt,
von den großen Schätzen.
© poeticlabel 2010
Heute
ist der: